Aschkenasische
Lebenswelten

Das Leben in den jüdischen Gemeinden von Aschkenas spielte sich in den aufblühenden Vierteln nahe der Synagogen ab und war geprägt vom Kontakt zu anderen Gemeinden und der christlichen Mehrheitsgesellschaft. 

Gemeindeleben

Die jüdischen Gemeinden, die hier entstanden, waren lebhaft, bunt und gut organisiert. Charakteristisch war zum Beispiel die Partizipation der Gemeindemitglieder an gemeinsamen Entscheidungen, welche interne, juristische und politische Autonomie bedeuteten.

Das Bild der Juden, das sie ökonomisch auf den Geldhandel beschränkt, ist unvollständig. Tatsächlich bekleideten die Gemeindemitglieder die unterschiedlichsten Berufe. Es entstanden gute Handelsbeziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden. Eine Entwicklung, die dafür sorgte, dass in den jüdischen Familienunternehmen auch Frauen und Kinder feste Rollen innehatten. Die Position der Frauen wurde dadurch gestärkt. Sie konnten die Geschäfte führen, wenn der Mann sich auf Reisen in andere Gemeinden begab.

Christen und Juden

Auch wenn die Geschichte des Zusammenlebens von Juden und Christen in Aschkenas immer wieder von einem unsicheren Rechtsstatus und Verfolgung geprägt war, gab es oft längere Phasen der pragmatischen Koexistenz. Ohne diese wäre die Ausdifferenzierung und Blüte der jüdischen Gemeinden in Aschkenas kaum denkbar.

  • Die Zeit des Ersten und Zweiten Kreuzzugs (1096 und 1146/47) war eine Zeit der Verfolgung und Gewalttaten.
  • Nach den Erfahrungen der Kreuzzüge, wurde der weltliche Schutz für Juden rechtlich und theologisch begründet, so dass nach und nach auch offizielle Kirchenschreiben die Duldung der Juden in Europa festschrieben.
  • Nachdem einzelne Päpste ab dem 12. Jhd. Schutzbriefe für Juden ausgestellt hatten, wurden sie im 13. Jhd. zu Schutzbefohlenen des Kaisers.
  • Dieser Rechtsstatus führte in der Umsetzung allerdings unter anderem zu Versuchen, Jüdinnen und Juden zu kennzeichnen und in der Praxis zu einer zunehmenden Segregation.
  • Nach den Pogromen infolge der Kreuzzüge und der großen Pest verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt des aschkenasischen Judentums ostwärts nach Polen-Litauen.

Jüdische Selbstbehauptung

Im Laufe des Zusammenlebens entstanden verschiedene Ansätze einer jüdischen Selbstbehauptung gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft.

  • Zum einen keimte, als Reaktion auf die Verfolgung von Jüdinnen und Juden, das Ideal des Märtyrertums auf.
  • Es bildeten sich Gruppen mit besonderer identitätsstiftender Ausrichtung, wie die explizit aschkenasische Bewegung Fromme von Aschkenaz.
  • Die eigene Heimat und die Bedeutung der heimischen Städte wurden überhöht: Mainz wurde als „unsere Mutterstadt und Ort unserer Väter“ auf eine Ebene mit Jerusalem gehoben.
  • Es kam zur Verbreitung parodistischer Schriften über das Christentum, wie dem „Toldot Yeshu“ (Geschichte des Jesu).

Förderung

Festjahr 2021 jüdisches Leben in Deutschland

Kooperationspartner 
„Rückkehr nach Aschkenas“

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